Junge Grafik im Pommernhus

   

Der biedere, noch dazu plattdeutsche Name „Pommernhus“ erweckt bei einer Galerie den Eindruck einer Pflegestätte für lokale Kunst. Dies ist in Greifswald, der Stadt, die immerhin einen Caspar David Friedrich hervorgebracht hat, gewiss kein Makel und tatsächlich zeigt das Haus auch in Abständen, was jeweils in der Region an zeitgenössischer Bildender Kunst entsteht, dies besonders bei seinen schon traditionellen Weihnachtsausstellungen. Eine besondere Stellung aber hat sich das Pommernhus auf dem internationalen Gebiet erworben. Dies wird vor allem bei der alljährlichen Ausstellung „InterArt“ sichtbar, wo jeweils 20 bis 30 renommierte Künstler aus verschiedenen Ländern rund um die Erde ihre neuesten und besten Werke vorstellen und sich persönlich zu einem freundschaftlichen fachlichen Austausch in der Sommerlichen Universitäts- und Hansestadt zusammenfinden und von hier aus auch die Insel Usedom und Rügen besuchen. Zugleich aber ist es der Ehrgeiz der Kunsthalle, auch vorzustellen, was im deutschen Sprachgebiet jeweils an neuer junger Kunst entsteht. So steht nun am 07.03.2012 die Eröffnung einer Ausstellung auf dem Programm, welche den Titel „Junge Grafik“ trägt. Die Wahl fiel auf die Berlinerin Hannah Birgit Neumann (* 1951), den Eberswalder Matthias Schwarz (*1971), den Greifswalder Kristian Salewski (* 1974) und den Berliner Sven Bremer (* 1979). Alle diese vertreten eine Kunstauffassung, die sich weitgehend vom Abbilden der gesehenen Wirklichkeit entfernt hat und dabei eine Bildsprache verwendet, die deutlichen Wert auf ästhetische Qualität legt. Genutzt werden die Mittel und verschiedenen Techniken der Grafik. Hier zeigen sich freilich erhebliche Unterschiede. So reduziert Matthias Schwarz seine fest umrahmten Linolschnitte auf ein lineares und flächiges Minimum. Wie er damit z. B. die diversen Musiker einer Jazzband in ihrer Spezifik erfasst, ist auf diesem Sektor einmalig. Auch Kristian Salewski zielt auf das Typische – dies auf dem Sektor der Karikatur. Dass er hier humorig inhaltlich etliches Aktuelles zur Schau stellt, macht seine Cartoons zusätzlich interessant. Auch Sven Bremer bietet Inhaltliches an, dies zumeist in sehr fein zisalierten, teils farbigen Zeichnungen. Es selbst schreibt dazu, dass sie oft die Eigenschaft haben, „nicht immer gleich so eindeutig zu sein“. Dies ist noch erheblich untertrieben, denn mit einer offenkundigen Lust lässt der Künstler seinen Fantasien bis ins surreale Traumhafte freien Lauf. Zugleich entstehen Bilder von filigraner Spannung und großem formalen Reichtum. Im Gegensatz hierzu geht Hannah Birgit Neumann mit raffiniert gedruckten Lithografien hinüber ins Abstrakte. Titel wie „Strukturen“ und „Ganzheitliche Hekla“ künden von der Freude, neue bildliche Möglichkeiten auf dem Weg der Drucktechnik zu erproben.
Wer Interesse daran hat, welche Haltung sich in welchen modernen Formen auf dem Gebiet der Grafik heute artikuliert, sollte sich diese Ausstellung im Pommernhus ansehen. Sie wird am 07.03.2012 um 19 Uhr im Beisein der Künstler eröffnet. Sie dauert bis zum 06.05.2012.


Ganzheitliche-Hekla


Klosterruine