Friederike Schubert-Ruthenberg wird neunzig

   

Als endlich im Mai des Jahres 1945 der größte aller bisherigen Kriege zu Ende war, versuchten die Überlebenden einen neuen Anfang. Das war für die Bildenden Künstler nicht leicht, denn im zerstörten Deutschland wurde alles andere, nur keine Kunst gebraucht. In dieser Zeit fanden sich in Greifswald einige Vertreter dieses Berufs zusammen, um dennoch mit ihrer Arbeit zum Gelingen einer neuen, besseren Epoche beizutragen. Da kamen der Student der Kunstgeschichte Nikolaus Zaske und ich, der beginnende Maler und Grafiker, auf die Idee, eine Gruppe zu gründen, in welcher die wichtigsten Berufsgenossen gemeinschaftlich auf neue Art eine Kunst herstellen wollten, die für die Menschen hilfreich war. In Anlehnung an berühmt gewordene Vorbilder tauften wir die Vereinigung „Die Buhne“.
Unser damals jüngstes Mitglied war die Greifswalder Zeichnerin und Malerin Friederike Schubert, die wir kurz „Ike“ nannten. Ihre Kohle- und Bleistiftzeichnungen begeisterten uns. Als dann das Greifswalder Heimatmuseum wieder seine Tore öffnete und unsere „Buhne“ sich vorstellte, erhielten Ikes Bilder viel Lob. In den fünfziger Jahren stellten wir im regionalen Bereich bereits einen bedeutenden kulturellen Faktor dar. Ebendies führte jedoch dazu, dass uns das staatliche Regime als unkontrollierbaren „Wildwuchs“ ansah und wir im Jahr 1955 unsere Gruppentätigkeit einstellen mussten. Nun aber, seit dem Jahr 2011, gibt es eine neue „Buhne“! Und da leben und arbeiten noch zwei „Veteranen“ aus jener ersten. Außer mir ist es „Ike“, die seit langem Friederike Schubert-Ruthenberg heißt, sich als Mutter einer großen Familie bei Berlin rührt und immer noch zeichnet und malt. Sie wird am 12.9.2012 neunzig Jahre alt. Es wäre schön gewesen, wenn es das großartige, stimmungsvolle Greifswalder Heimat-Museum noch in der Theodor-Pyl-Straße geben würde, wo „Ike Schubert“ sich als Jubilarin präsentieren könnte. Doch die moderne Kunsthalle „Pommernhus“ widmet ihr eine gewiss ebenso interessante und angemessene Personalausstellung. In dieser besonderen Exposition werden die wichtigsten Bilder der Künstlerin Auskunft über die unterschiedlichen Epochen ihres Lebenswerkes und zugleich einen Rückblick auf die Strömungen der Zeit geben.
Die Ausstellung wird am 15.9.2012 im Pommernhus um 19 Uhr eröffnet. Sie dauert bis zum 21.10.2012.

Helmut Maletzke

 


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