Pommernhus feiert rundes Jubiläum

Die Heimstatt des Pommerschen Künstlerbundes begeht 10. Geburtstag. Eine kurze, aber wechselvolle Galeriegeschichte.

   

OZ Mittwoch, 15. August 2007 | Hansestadt Greifswald

Greifswald Das Leben geht ungeahnte Wege. Auch für Helmut Maletzke, der vor mehr als zehn Jahren völlig überraschend zum Vorsitzenden des Pommerschen Künstlerbundes gewählt wurde. In Kassel wohlgemerkt. Denn die mittlerweile über neunzigjährige Vereinigung der vertriebenen Künstler war im Osten verboten. Doch wohin, wenn nicht hierher, nach Pommern, gehörte sie? „Das Verrückte war, der Künstlerbund hatte nicht einmal ein Büro, geschweige denn eine Ausstellungsmöglichkeit“, entsinnt sich Helmut Maletzke, in Hinterpommern geboren und aufgewachsen.
Klarer Fall für den heute 86-Jährigen: Der Künstlerbund brauchte eine Heimstatt und fand sie in der Wolgaster Straße 33. „Schmidts Konzerthaus hatte einen wundervollen Saal, der leer stand“, erzählt der Maler und ist dem westdeutschen Unternehmer Wolfgang Kliemann heute noch dankbar, dass der die Räume kostenlos zur Verfügung stellte. Noch gut erinnert sich der Greifswalder an die allererste Ausstellung im August 1997. Im „Pommernhus“ wurden Werke heimischer Künstler gezeigt: Dietrich Kaufmann, Eckhard Buchholz, Jörg Korkhaus und Helmut Maletzke. Doch der Standort sollte keine Dauerlösung werden. Die Mennonitengemeinde erwarb das Haus. Die Galerie musste weichen und zog 2004 in die Johann-Stelling-Straße 30 – ein bis dato und jetzt wieder leer stehendes Reichsbahngebäude. „Die Allianz hatte es verwaltet und kam uns mit der Miete sehr entgegen“, blickt der Greifswalder zurück. Aber die Freude darüber hielt nicht lange. Schon kurze Zeit später ging das Gebäude an die Bahn AG zurück. „Und die neue Miete konnten wir unmöglich aufbringen“, so Maletzke, der sich wiederum auf Haussuche begab. Mit Erfolg. Vor einem Jahr lud das „Pommernhus“ erstmals in die Knopfstraße 1. „Mit der Sanierung des Boulevards ein schöner Standort, der sich bestimmt noch mausern wird“, glaubt der Künstler und ist nicht böse darüber, dass das zwischenzeitlich verfolgte Projekt „Netto-Markt“ im Ostseeviertel nicht Realität wurde. „Sanierung und Ausbau wären finanziell doch ein gewaltiger Brocken gewesen“, räumt der Mann ein, der den Vereinsvorsitz übrigens vor mehr als fünf Jahren an Prof. Manfred Prinz übergab.
Doch nicht nur örtlich hat sich das „Pommernhus“ verändert, auch inhaltlich tat sich im ersten Jahrzehnt viel. Besucher können in den wechselnden Ausstellungen neben regionaler, häufig Kunst aus anderen Ländern betrachten. „So wollen wir die InterArt Greifswald, die im Mai/ Juni erstmals stattfand, künftig in jedem Jahr veranstalten“, blickt Helmut Maletzke voraus. Daneben werde auch die Kooperation mit Polen – besiegelt durch die Vereinsgründung „Ars Pomerania“ vor fünf Jahren – weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Aus Fremden wurden Freunde – für den weltoffenen Pommern Maletzke eine Herzenssache.

PETRA HASE